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Würdevoll leben und sterben im Gnadenhof


Von wegen Frieden: Auch
Tauben zählen zu den
Tieren, die Opfer ehrgeiziger
Besitzer sind.


Gleich zweimal zwei, die sich kennen lernten.
Peter Gross und Tierärztin Dr. Mechthild Will
sowie die beiden Papageien.

Umzäunte Weiden und Gehege inmitten des idyllischen Mossautales im Odenwald. Friedlich grasen Pferde, Esel, in den Gehegen Ziegen, Hasen, Meerschweinchen, da- zwischen laufen Hühner rum, Tauben flattern und gurren. Im Hof freilaufende Hunde, irgendwo auch Katzen.
Beim genaueren hinsehen fällt es auf, dass Pferde unterschiedlicher Rassen gehobenen Alters sind, manche tragen gar Spuren eines Leidenweges. Echte Hundesenioren auch die beiden recht kleinen Vierbeiner im Hof, aber munter und zutraulich. Das
Anwesen Münch ist ein Gnadenhof für Tiere. Hier werden Tiere versorgt, die entweder einer unzumut- baren Behandlung ausgesetzt waren, oder Tiere die Herrchen oder Frauchen überlebt haben, oder eben Arbeitstiere wie Rennpferde oder Esel, die im Alter "ihren Zweck" nicht mehr dienlich sind.
Schon über 13 Jahren führt die Pferdewirtschafts- meisterin Monika Münch den Gnadenhof, ist auf Spenden und Hilfe angewiesen. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr Tiere, die sie ver- sorgte. An ihrer Seite Dr. Mechthild Will, Tierärztin aus Michelstadt. Im Oktober vergangenen Jahres gründeten sie mit dem heutigen Schatzmeister Klaus Wolf (Heidelberg) und Schriftführer Lutz Fortagne (Reichelsheim) den Verein "Da sein für Tiere".
Derzeit leben rund 20 Pferde und Esel, vier Ziegen und eine große Menge an anderen Haus-
und Kleintieren hier. Als gemeinnützig anerkannt kann der Verein heute
  seinen Freunden Spenden-
Quittungen ausstellen. Die kostspielige Versorgung der Tiere finanziert sich über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Patenschaften, welche, auch mit anderen Paten gemeinsam übernommen werden können.

Die strassen gazette zu Besuch im Gnadenhof

Der Sonntag, 24. Juni, war ein besonderer Tag auf dem Hof Münch. Einmal im Jahr wird hier ein großes Fest gefeiert, dem Datum entsprechend war es diesmal ein Johannisfest. Dr. Mechthild Will hatte bereits vor vielen Monaten aufgrund des Inserates in der strassen gazette Peter Gross als "Leierkastenmann" zur Unterhaltung für das Fest eingeladen. Peter Gross, auch stellvertretener Vorsitzender von strassen gazette e.V., kam mit Freundin Lola, seiner leuchtend bunten und gefiederten Begleitung beim Drehorgelspiel. Bei dem gut besuchten Fest konnten sich die Besucher die Tierbereiche ansehen, sich ein Bild von der liebevollen wie artgerechten Pflege machen. Viele der ausgestellten Bilder, welche die Tiere bei Aufnahme im Gnadenhof zeigte, zeugen
von großem Leid, entweder durch Vernachlässigung oder gar durch Gewalt zugeführt.
Manche Tiere kommen her, erzählt Dr. Mechthild Will, weil ihre Besitzer gestorben sind und niemand weiß wohin mit ihnen. Andere, weil das Veterinäramt auf unzulängliche Haltung oder Misshandlung aufmerksam wurde. Arbeitstiere wie Pferde, meist ehemalige Reit- und Rennpferde, welche im Alter oder durch Krankheit nicht mehr die vom Besitzer erhoffte Leistung bringen.
Auch kleine Tiere wie Hühner oder Tauben sind hier.
 

Tauben beispielsweise,
so die Tierärztin, werden völlig entkräftet auf- gefunden. Schuld ist der ehrgeizige Besitzer, mit Brieftauben Wegstrecken- rekorde brechen zu wollen, erklärt sie. Sie selbst hat während des ganzen Festes einen weißen Papagei an der Schulter getragen, ihm fehlt ein Bein.


Eddy kann wieder laufen und hat schon kräftig zugenommen. Die strassen gazette übernahm hier mit die Patenschaft für Eddy.

strassen gazette
versorgt jetzt Eddy

Eine Patenschaft hat auch die strassen gazette übernommen. Eddy, zurzeit der Liebling von Annaburg, einem ehemaligen Rennpferd und Chefin der Pferdeherde. Eddy wurde wohl 1980 geboren und kam vor einem Jahr auf den Hof. Bilder zeugen von dem erbärmlichen Zustand als er ankam, fast verhungert. Er wurde von Tierliebhabern in einer dunklen Box in einem Reitstall gefunden. Er hatte Zahnprobleme, konnte nicht fressen und nichts mehr leisten. Keine gute Werbung für den Hof. Man versteckte das arme Tier in der Box und ließ es fast verhungern. Heute kann er schon wieder mit den anderen über die Wiese galoppieren. Er ist ein Beispiel für viele, die hier auf dem Hof die Gnade eines Lebenswerten Lebensabend bekommen.


Auch Ziegen sonnen gerne im Altersruhestand.


Esel verbringen ihre "alten Tage" hier im Gnadenhof.

 


Hier leben sie frei, friedlich und gut versorgt: Pferde auf dem Gnadenhof Münch.

Quelle: strassen gazette
Datum: Juli-August 2007
Verfasser & Fotos: © Gabriele Lermann                                                          zurück